Konkurrenz oder Koexistenz?
Was ist besser?
Jetzt mag sich die Frage aufdrängen, wo denn nun die Unterschiede zwischen WLAN und UMTS liegen und was sich für den Kunden als besser herausstellt. In diesem Zusammenhang muss man sich die Vor- und Nachteile des jeweiligen Systems genauer anschauen. WLAN trumpft in erster Linie mit höheren Geschwindigkeiten auf, ist aber oft räumlich begrenzt. Theoretische Maximalwerte von mehreren Kilometern Reichweite lassen sich nur mit Hochleistungsgeräten unter Idealbedingungen (sprich: im Freien) erzielen, innerhalb von Gebäuden nimmt die Reichweite rapide ab. Die Praxis sieht schließlich so aus, dass die Nutzung öffentlicher Hot Spots in der Regel nur in näherer Umgebung angenehm möglich ist – dann allerdings mit hohen Bandbreiten. Doch auch hier ist alle Theorie grau: Rein technisch sind 54 Mbit pro Sekunde drin, die effektive Geschwindigkeit ist aber von vielen Faktoren abhängig, u.a. von der Baubeschaffenheit der Umgebung, der Entfernung zum Sender, der Signalstärke, der Anzahl der gleichzeitigen Hot Spot-User etc. Geschwindigkeiten von 5 Mbit pro Sekunde liegen schon eher im realistischen Bereich – und selbst da kann UMTS bislang noch nicht mithalten.
Was den Erfolg von WLAN ausbremsen könnte, ist ein fehlender globaler Technikstandard. Denn im Gegensatz zu UMTS wird WLAN nicht von einigen wenigen Großkonzernen betrieben, sondern von vielen verschiedenen Anbietern, die – überspitzt formuliert – alle ihr eigenes Süppchen kochen. Besondere Auswirkungen hat das auf die Sprachkommunikation: Da die WLAN-Basisstationen ans Internet angebunden sind, erfolgt Sprachübertragung per Voice over IP. WLAN überträgt jedoch alle Daten in Paketen. Um eine durchgängig gute Sprachqualität zu erreichen, müssten sich die WLAN-Betreiber auf einen einheitlichen Standard einigen, was derzeit nicht der Fall ist.
Größter Fisch im WLAN-Teich ist die T-Com mit deutschlandweit rund 5.500 installierten Hot Spots. Aufgrund der begrenzten Reichweite kann von einer großflächigen Netzabdeckung bislang noch keine Rede sein. Nach wie vor gilt, dass sich öffentliches WLAN auf einzelne Punkte beschränkt. Ganz im Gegensatz zu UMTS, dessen Netzabdeckung in der jüngsten Vergangenheit große Sprünge gemacht hat. Ballungsräume sind nahezu vollständig mit UMTS versorgt, aber auch viele ländliche Regionen werden nach und nach immer mehr abgedeckt. Zudem verhalten sich UMTS-Endgeräte "intelligent": Sollte mal kein UMTS-Netz auffindbar sein, greift das Handy oder die UMTS-Karte im Notebook auf das zwar langsamere, aber praktisch überall vorhandene GPRS zurück.
Koexistenz
WLAN und UMTS stehen aber keinesfalls in direkter Konkurrenz zueinander. Im Gegenteil, Mobilfunkbetreiber, Anwender und Hersteller haben Wege gefunden, die jeweiligen Stärken und Schwächen beider Systeme sinnvoll zu kombinieren. Es ist ohne weiters möglich, mit einem Computer per UMTS eine Internet-Verbindung herzustellen und diesen dann als Wireless Access Point für weitere WLAN-Nutzer einzusetzen. Welchen Sinn das macht? Zum Beispiel im oben erwähnten ICE-Railnet. Denn Züge verweilen ja selten an einem Ort, sondern sind ständig unterwegs. Hier wird die Internetanbindung des Zuges vorrangig über UMTS hergestellt, weitere Anbindungen wie z.B. per Satellit werden derzeit ebenfalls ausgetestet.
Für den Endkunden schließt sich der Kreis wieder bei Handys. Neuere Smartphones besitzen bereits die Möglichkeit zur WLAN-Nutzung, teilweise auch zusammen mit UMTS. Praktisch für den Anwender, denn er kann die Vorteile beider Systeme nutzen. Im Idealfall nimmt Ihnen die Technik die richtige Entscheidung ab und erkennt selbständig, welches Netz gerade am schnellsten oder günstigsten ist. Denn wie so oft ist das Ganze ja auch wieder eine Geldfrage und verursacht je nach Nutzung verschiedene Kosten. Zu dem ohnehin schon undurchdringlichen Tarifdschungel gesellen sich nun also auch noch Kosten für UMTS und WLAN hinzu. Aber wie schrieb schon Michael Ende: "Das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden."
UMTS-LAN?
Netzwerk ohne Software
Durch Kombination von UMTS und WLAN werden lokale Netzwerke mit Internetzugang ortsunabhängig. Vodafone bietet neuerdings einen UMTS-Router an, mit dem im Handumdrehen praktisch überall ein lokales Netzwerk mit Online-Anbindung eingereichtet werden kann. Die Anwender werden dadurch unabhängig von Festnetz oder DSL-Anschluss. In Bereichen ohne UMTS-Empfang wird das GPRS-Netz genutzt – was natürlich auf Kosten der Geschwindigkeit geht. Die Einrichtung ist ein Klacks: Einfach die UMTS-Karte in den Router stöpseln, fertig. Die Installation einer Software ist nicht erforderlich. Die Teilnehmer stellen dann per WLAN die Verbindung zum Router her oder ganz klassisch über Netzwerkkabel. Hierfür bietet der Router einen 4fach-Ethernet-Port, um z.B. auch Netzwerkdrucker anzuschließen.
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