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Handy-TV

Das beste Daumenkino aller Zeiten

Farbdisplays. SMS. JAVA-Spiele. Solche technischen Errungenschaften bezeichnet man am Handymarkt gerne als „Killer-Application“. Warum dieser etwas martialische Name? Ganz einfach: Wer diese Features als Handyhersteller im schnelllebigen Mobilfunk-Business verpasst, hat es geschäftlich bereits hinter sich. Denn solche Techno-Quantensprünge sind nicht nur sehr selten und damit überaus interessant, sie ergänzen auch die Fähigkeiten des Multimedia-Handys um solch integral neue Bestandteile, dass sie allein bereits ein eigenes Verkaufsargument sind. Selbst eher verschlossene Mobiltelefonisten Marke „Muss nur telefonieren können und fertig“ könnten hier hellhörig werden.

Nun steht also die nächste Killer-Application ins Haus. Und sie betrifft nichts anderes als die weltweit mit Abstand beliebteste Medienform: das Fernsehen. Alle Hersteller von Nokia über Siemens bis LG arbeiten mit Hochdruck an der neuen TV-Handytechnik. Samsung hat das erste Seriengerät sogar bereits in unseren Regalen geparkt. Es hört auf den Namen SGH-P900 und hat von uns in eben dieser Ausgabe auch seinen wohl verdienten Test abbekommen. Doch bis die Koreaner auch in unseren Breitengraden mit dem an den Start gehen konnten, was in ihrem Heimatland schon lange auf Hochtouren läuft, war es ein langer Weg. Und ein komplizierter noch dazu.

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Übertragungsstandards

Da liegt nun also das schicke neue High-Tech-Spielzeug im Regal. Das TFT-Display – stilecht in den Maßen 4:3 – glänzt und blitzt und wartet nur auf eine leckere Portion Saft vom Akku. Den gewährt dann auch der Daumen des stolzen Besitzers, nur um schließlich vor dem blöderweise dunkel gebliebenem Bildschirm zu sitzen. Warum sträubt sich das frisch erworbene TV-Handy vor der angestrebten Bilderflut? Klare Sache: Wo nichts fließt kann man nichts schöpfen. Ohne Übertragungsstandards also kein Fernsehen, egal ob auf dem Mobiltelefon oder sonst wo. Und genau hier befinden wir uns an einem in Deutschland momentan heftig diskutierten Technikthema. Denn wer den digitalen Fernsehempfang mit dem schon beinahe antiken Taschenfernseher verwechselt, fischt mit seinen Gedanken in längst trocken gelegten Gewässern!

Erste Handy-TV-Gehversuche fanden ja bereits via UMTS statt. Zwar ist dieser Empfang gut genug, um die GEZ davon zu überzeugen, dass auch hierfür zukünftig Rundfunkgebühren fällig sein werden, die allermeisten Konsumenten hat diese Form des mobilen Fernsehens allerdings kaum vom Hocker gerissen. Das liegt neben den sowieso schon geringen Datendurchsatzraten vor allem an einer entscheidenden Hürde: UMTS verlangt nach einer Direktverbindung zwischen Transmitter und Receiver. Sie müssen sich mit Ihrem Handy also beim Anbieter einloggen, um an dessen Inhalte zu kommen. Das Problem kennt man z.B. vom Internetradio her: Es steht nur eine begrenzte Menge an Bandbreite für diese Anfragen zur Verfügung. Ist die ausgeschöpft, bleibt für sämtliche Neuzuseher der Bildschirm schwarz. Also werden die Programme qualitativ meist künstlich klein gehalten, um die angesprochene Bandbreite in möglichst viele Übertragungen aufteilen zu können.

Die modernen TV-Handy-Standards arbeiten hier so, wie man es auch vom guten, alten Glotzkasten vor der Wohnzimmercouch kennt: Die Ausstrahlung der Sendersignale erfolgt flächendeckend statt direkt, kennt daher keine Bandbreitenprobleme. Statt also bei UMTS den Wasserhahn aufzudrehen und sich zu ärgern, weil 5.000 andere Zeitgenossen dieselbe Idee hatten und deswegen bei Ihnen zu Hause nur ein paar Tröpfchen ankommen, springen sie beim Handy-TV problemlos mitten hinein in einen gut gefüllten See. Gerne auch zusammen mit besagten 5.000 Mitzusehern. Hier endet das Wasser nämlich nur an den regionalen Grenzen. Da sich die Handy-Industrie leider nicht auf einen gemeinsamen Kurs einigen konnte, sind gleich zwei neue mobile Ausstrahlungsformate für Taschentelefone in unseren Breitengraden wichtig.

BenQ-Siemens DVB-H Concept Device

Handy-TV im MDA-Look

Namenlos, dafür aber mit einem klaren Auftrag: Handy-TV in die Hände des Kunden legen, das Ganze möglichst preiswert. Zwar ist das Konzeptgerät an und für sich ein vollwertiges Mobiltelefon im MDA-Look, praktisch gesehen ist es als Handy selbst allerdings unhandlich und so umständlich zu bedienen, dass es gegen die reich vorhandene Konkurrenz in diesem Punkt keinen Stich macht. Der Schwerpunkt liegt hier eindeutig auf dem aufstellbaren DVB-Fernseher. Der hat dafür ein 640x480 Pixel-Display zu bieten, dessen brillante Auflösung zu überzeugen weiß! Lediglich der matte Kontrast und der gerade zwei Stunden starke Akku verderben etwas den Spaß. Zur Serienreife hat es der Prototyp nicht mehr geschafft.

Lesen Sie weiter: DMB oder DVB?

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