Handy 2010
Ist der Siegeszug des Allround-Handys unausweichlich?
Kennen Sie Alan Varghese? Nein? Apple-Chef Steve Jobs kennt ihn umso besser. Varghese, seines Zeichens Chefanalyst des New Yorker Marktforschungsinstituts ABI Research, schoss Ende Mai per Pressemeldung auf Apples größten Goldesel iPod: "Das Handy wird zum einzigen Gerät, das Menschen in Zukunft mit sich herumtragen wird". Mobiltelefone mit integrierter Festplatte hätten das Potenzial, MP3-Player vom Markt zu stoßen. Für Konsumenten sei es wichtig, dass es ein Produkt gebe, das Telefonie-, Fotografie-, Video-, E-Mail- und Web-Browsing-Funktionen in einem Gerät vereine.
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Eine Erkenntnis, die für uns nicht gerade brandneu ist. Doch durch ABI Research publiziert, wird die Industrie schnell hellhörig. Marktforscher haben bei großen Unternehmen beinahe Prophetencharakter. Varghese bekommt in diesem Fall zudem prominente Unterstützung. Auch Bill Gates ließ es sich auf der CES 2006 nicht nehmen eine kleine Grabesrede auf Digitalkameras und MP3-Player zu halten. "Wenn Sie mich fragen, auf welches Gerät ich in fünf Jahren setzen würde, würde ich mich klar für das Handy entscheiden." Gates' Aussage ist natürlich nicht ganz uneigennützig, denn immerhin will man in Redmond demnächst damit beginnen, eigene mobile Hardware zu produzieren. Kaum jemand zweifelt also ernsthaft daran, in welche Richtung die Reise geht. Sämtliche Handyhersteller arbeiten am mobilen Alleskönner, der unterwegs durchweg Zweitgeräte ersetzen soll.
Handy-Planung
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Blick in die Zukunft
Was können Sie also zukünftig erwarten? Wir möchten Sie darauf einstimmen. Uns interessiert nicht die nächste Handy-Generation, sondern die übernächste und erst recht diejenige, die dieser folgen wird. Wir wollen den Versuch starten, das Handy zu charakterisieren, das mit uns ins nächste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts startet.
Wir sehen im Allgemeinen zwei Entwicklungen. Zum einen wird die Industrie dem Kunden echte Alleskönner zum entsprechenden Preis feilbieten und zum anderen wird man individueller auf Kundenwünsche eingehen. Beides aber bedingt eine klare Verbesserung der Technologien und gefährdet viele Einzelkönner in ihrer Existenz
Derzeit liefern sich Nokia und Samsung eine Festplattenschlacht. Die Koreaner hatten bereits 2004 das erste Handy mit Festplattentechnologie auf den Markt gebracht. Mit 1,5 Gigabyte war der Speicherplatz des SPH-V5400 noch eher knapp bemessen. Nokia konterte mit vier Gigabyte auf dem N91, Samsung verdoppelte mit dem SGH-i310 diesen Wert. Man steht also aktuell bei großzügigen acht Gigabyte. Um aber iPod und Co. aufs Kabel zu treten, müssen Modelle der Zukunft mindestens 30 Gigabyte aufweisen. Was aber, wenn die MP3-Playerhersteller ihrerseits weiter aufrüsten? Diese Rechnung wird noch wenige Jahre aufgehen, doch für den Konsumenten wird es einen Punkt geben, an dem es ihm schlicht egal sein wird, ob er 7.000 oder 10.000 Stücke auf seinem Player speichern kann. Schon jetzt gilt ein iPod der 60-Gigabyte-Klasse als Musikfriedhof. Hunderte MP3-Daten lagern ungehört auf der Festplatte und werden alle Schaltjahre exhumiert. Ein wirklicher Gewinn für den Konsumenten?
Der typische MP3-Player wird aber erst verdrängt sein, wenn die Soundqualität eines Handys die eines iPod schlagen kann. Noch laufen viele Musikhandys dem klassischen MP3-Player hochachtungsvoll hinterher. Doch es gilt dasselbe Prinzip: Klassische MP3-Player werden sich akustisch weiterentwickeln, genau wie das Handy. Und auch hier wird der Punkt kommen, an dem das menschliche Gehör dem technologischen Vorsprung des Standalone-Produktes ein Schnippchen schlagen wird. Nur Audiophile werden Unterschiede zwischen den beiden Varianten hören oder sich diese gar einbilden – und natürlich Zeitschriftenredakteure, die vornehmlich auf umfangreiche, aber nicht immer aussagekräftige Labormessungen setzen. Gleichen sich beide Produkte auch preislich an, wird der Mehrwert eines Musikhandys den MP3-Player ausstechen.
Das Handy als Filmserver
Kleines Handy, großer Schirm
Dieses Bild zeigt, wie man in Zukunft ein Handy als mobilen Filmserver verwenden könnte. Eine große Festplatte, einen leistungsfähigen Grafikchip und einen qualitativ hochwertigen AV-Ausgang vorausgesetzt.
Lesen Sie weiter: Der lange Weg zur Wunschausstattung
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